| Stochastische Modelle: Modellierung | |||||||||||||
4. ModellierungEs gibt unterschiedliche Möglichkeiten, stochastische Modelle zu formulieren:
Die erste Möglichkeit spielt für praktische Fälle eine untergeordnete Rolle. Sie findet nur dann Anwendungen, wenn keine der anderen Modellierungen möglich ist. Die anderen Fälle sind praktisch relevant und werden im Folgenden diskutiert. 4.1 Stochastische ModellgleichungenStochastische Modellgleichungen sind von der Form den Modellgleichungen ohne Rauschen sehr ähnlich, enthalten aber einen oder mehrere Beiträge, in denen Zufallsgrößen vorkommen. Beschreibt man mit dem Modell statische Größen, dann wird es sich bei den Modellgleichungen um statische Beziehungen handeln. Typische Fälle sind einfache, lineare Probleme oder komplizierte, nichtlineare Optimierungen. Diese Gleichungen werden in der Regel numerisch, also mit dem Computer gelöst. Das ist auch für den stochastischen Fall möglich. In der Regel wird man die Zufallsvariablen mit Hilfe eines geeigneten Zufallszahlengenerators erzeugen. Für jeden erzeugten Satz von Zufallsvariablen werden die Modellgleichungen gelöst. Die Lösungen selbst hängen natürlich von den gezogenen Zufallsvariablen ab. Hat man für hinreichend viele Sätze von Zufallsvariablen die Gleichungen gelöst, dann kann man die verschiedenen Lösungen mit gängigen statistischen Verfahren auswerten. Man erhält so für die Lösungen Mittelwerte, Varianzen, und je nach Bedarf Näherungen für Verteilungsfunktionen (Histogramme) oder höhere Momente. Für dynamische Probleme ist das Vorgehen im Prinzip ähnlich, es sind allerdings einige zusätzliche Bedingungen zu beachten. Zunächst unterscheiden sich auch in diesem Fall die Modellgleichungen nur dadurch von dem Fall ohne Rauschen, daß zusätzliche Terme auftreten, die Zufallsvariablen enthalten. Auch hier kann man die Zufallsvariablen im Prinzip mit einem Zufallszahlengenerator erzeugen. Das Problem ist aber, daß die Zufallsvariablen zeitabhängig sind, man also im Prinzip für jedem Zeitpunkt eine neue Zufallszahl erzeugen müsste. Das ist natürlich nur möglich, wenn man sich auf diskrete Zeitschritte beschränkt. Im Prinzip bedeutet die Beschränkung auf diskrete Zeitschritte zunächst keine wesentliche Einschränkung. Numerische Lösungsverfahren für dynamische Probleme arbeiten in der Regel immer mit diskreten Zeitschritten. Trotzdem sind vier Punkte zu beachten:
4.2 Modelle für statistische GrößenIn einigen Fällen lassen sich aus den stochastischen Modellgleichungen direkt Gleichungen für statistische Größen (Mittelwerte, Momente von Verteilungen, Verteilungsfunktionen, etc.) ableiten. Je nachdem, wie kompliziert die Fragestellung ist, benötigt man kompliziertere Größen und damit auch kompliziertere Modelle. Diese Modelle enthalten keine stochastischen Variablen mehr, aber stattdessen Informationen über die statistischen Eigenschaften dieser Variablen. Zudem sind sie meist komplexer. Für ein dynamisches Problem, daß durch eine einzige Koordinate beschrieben werden kann (z.B. eine Reaktionskoordinate in einer chemischen Reaktion) wird aus einer gewöhnlichen stochastischen Differentialgleichungen im Rahmen des stochastischen Modells eine partielle Differentialgleichung für die Wahrscheinlichkeitsverteilung. Für diese Gleichungen stehen dann neue numerische Verfahren zur Lösung zur Verfügung. Speziell wenn man genaue Resultate braucht, ist der numerische Aufwand für diese komplizierteren Modelle geringer als der Aufwand für die vielfache Lösung der einfacheren stochastischen Gleichungen. 4.3 Effektive ModelleOb es möglich ist, effektive Modelle für ein Problem aufzustellen, das stochastische Größen enthält, hängt von der konkreten Problemstellung ab und kann nur im Einzelfall beantwortet werden. Wenn sich solche Modelle herleiten lassen, dann ist es in der Regel sehr viel weniger aufwendig, diese Modelle zu lösen, als eines der beiden vorangegangenen Verfahren anzuwenden.
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